Darboven Stiftung: Friedensgebet
Der Fachrat Islamische Studien e.V. (FIS) ist ein Zusammenschluss muslimischer AkademikerInnen aus den Disziplinen der islamischen Theologie, der Erziehungs-, Religions- und Islamwissenschaft. Seit 2014 engagieren wir uns öffentlich als unabhängiger Verein in Hamburg und darüber hinaus in Angelegenheiten der islamischen Lehre.
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Darboven Stiftung: Friedensgebet

„Albert Darboven lädt jedes Jahr gemeinsam mit den beteiligten Geistlichen zum Multireligiösen Friedensgebet auf dem Gestüt IDEE in Hamburg. Bereits seit acht Jahren setzt diese Veranstaltung ein starkes Zeichen für den Frieden. Beim Multireligiösen Friedensgebet kommen Vertreter der Weltreligionen zusammen. Waren beim ersten Friedensgebet noch die christlichen Religionen unter sich, kamen schiitische und sunnitische Muslime sowie jüdische und buddhistische Geistliche hinzu.

Das gemeinsame Beten soll Verständnis und Wissen vermitteln und einen Austausch ermöglichen, um den Krieg der Kulturen und Religionen zu überwinden. Frieden ist Grundvoraussetzung für alle Menschen und kann nur gemeinsam von uns allen erschaffen werden. Insbesondere in der heutigen Zeit, wo Menschen aus anderen Kulturkreisen in Deutschland Schutz suchen, ist das Kennenlernen elementar.

Das Multireligiöse Friedensgebet ist für alle Interessierten offen. Nach dem gemeinsamen Gebet lädt Albert Darboven alle Gäste zu Kaffee und Kuchen ein. Das ist die Gelegenheit für alle Teilnehmer, friedensstiftende Gespräche zu führen.“

 

Wie im letzten Jahr, hat der Vorsitzende des Fachrates Islamische Studien e.V., Abu Ahmed Jakobi, als sunnitischer Vertreter mitgewirkt und folgende Rede gehalten:

„Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen,

Frieden und Segen seien auf unserem geliebten Propheten Muhammad, seiner edlen Familie und seinen rechtschaffenen Gefährten.

as-salamu ‘alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh
Friede sei auf Ihnen sowie Gottes Barmherzigkeit und Sein Segen

Frieden ist selbstverständlich ein zentraler Aspekt der islamischen Lehre, wie wir es etwa an der Grußformel ablesen können, die ich gerade verwendet habe. Auch der Name unserer Religion ist ein Beleg dafür. Islām ist sprachlich von derselben arabischen Wortwurzel wie salām abgeleitet – analog zum hebräischen shalom. Diese Wortwurzel beinhaltet Bedeutungen wie: heil, gesund, unversehrt, ganz sein. Insofern kann Islam übersetzt werden mit Hingabe zum Göttlichen, um ganz zu werden.

Aber ist es tatsächlich selbstverständlich? Heutzutage scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Wir als Menschen brauchen dringend Frieden.

Ich würde gern zwei kurze Punkte ausführen wollen, die man überschreiben könnte mit „innerer Frieden“ und „äußerer Frieden“.

1) Der innere Frieden
Was bedeutet Frieden? Ist es das Gegenteil von Krieg oder lediglich dessen Abwesenheit?

Von einem religiösen Standpunkt aus betrachtet, muss Frieden weiter gedacht und verstanden werden. Äußerer Frieden ohne Spiritualität und Frieden im Inneren unserer selbst ist unmöglich. Echter Frieden beginnt hier.

Der zentrale Glaube im Islam besteht darin, dass Gott einer und einzig ist. Diese beiden Punkte sind gleichbedeutend mit Seiner absoluten Vollkommenheit. So ist Er selbst vollkommener Frieden in Seiner Ganzheit. Wir Menschen jedoch leben in dieser Welt, einer Welt der Partikularität. Die Entfernung von Ihm und Seinem Einssein ist die Ursache für unsere Sorgen, Unruhe und Ängste.

Salam, innerer Frieden, bedeutet also Überwindung jener Hindernisse, die uns davon abhalten, für das Göttliche zugänglich zu sein. Religion im Allgemeinen und Islam im Besonderen fordern uns auf, rufen uns, uns wieder mit Gott zu verbinden, um Nähe zu erlangen. Dies ist letztlich gleichbedeutend mit Ruhe und Glückseligkeit. Aus diesem Grund spricht man im Islam nicht von Glaube, sondern von Iman. Dies bedeutet: sich sicher fühlen, sicher sein. Derjenige, der in sich selbst ruht, sich seines Schöpfers stets bewusst ist und Seiner gedenkt, wird im eigentlichen Sinne Mensch. Er wird so, wie Gott ihn gewollt hat.

Salam ist eine Qualität des Herzens des einzelnen Gläubigen. Es kann dann eine Qualität einer Gemeinschaft und letztlich der Welt werden. Diese Welt hat eine Chance, wenn wir wieder an unser traditionelles spirituelles Erbe anknüpfen.

2) Der äußere Frieden
Frieden hat, wie ich sagte, innere Voraussetzungen, aber es gibt auch äußere. Es ist unmöglich, Frieden ohne Gerechtigkeit herzustellen und zu verwirklichen. Frieden ohne Gerechtigkeit wäre dann nicht viel mehr als ein frommer Wunsch. Wir sollen gemeinsam für den Frieden beten – sicher, das ist gut und wichtig.

Aber wir müssen auch konkrete Maßnahmen ergreifen, die es uns erlauben, ein menschenwürdiges Leben zu führen, welches es uns ermöglicht, unsere Potenziale zu entwickeln. Gebete allein genügen nicht. Gott ruft uns dazu auf, in dieser Welt zu wirken und Zeugen und Botschafter Seiner Gerechtigkeit zu werden – nicht nur gegenüber uns selbst, sondern auch gegenüber unseren Mitmenschen und der Umwelt. Die großen politischen und wirtschaftlichen Player in dieser Welt tragen eine immense Verantwortung und haben eine moralische Pflicht. Sie sind es, die verpflichtet sind, die notwendigen Bedingungen für ein Leben in Würde herzustellen. Ein Leben in Würde nicht nur für einige wenige, sondern für alle.

as-salamu alaikum“

Zitierter Eingangstext und Fotos: © Albert & Edda Darboven Stiftung
https://www.albertundeddadarboven-stiftung.de/die-foerderprojekte/multireligioeses-friedensgebet/

Artikel in der Beilage des Hamburger Abendblatts „Himmel & Elbe“, 4.2.2020, S. 6
20200204_Himmel & Elbe