#WasGehtMichDasAn?
Der Fachrat Islamische Studien e.V. (FIS) ist ein Zusammenschluss muslimischer AkademikerInnen aus den Disziplinen der islamischen Theologie, der Erziehungs-, Religions- und Islamwissenschaft. Seit 2014 engagieren wir uns öffentlich als unabhängiger Verein in Hamburg und darüber hinaus in Angelegenheiten der islamischen Lehre.
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#WasGehtMichDasAn?

Ein Bericht von Hanen Ouarghi, Pädagogin/FIS-Mitglied:

Am 18.11.2019 fand im Wilhelmsburger Bildungszentrum Tor zur Welt eine Veranstaltung mit dem Titel „Was geht mich das an?“ statt. Die Themen waren die deutsche Gedenkkultur, Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus. In einem Theater-Podiumsdiskussions-Format debattierten hierüber der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky, der Imam Abu Ahmed Jakobi sowie eine Gruppe von ExpertInnen. Diese bestand aus VertreterInnen unterschiedlicher Parteien und weiteren Fachleuten.

Gerahmt wurde die Debatte durch musikalische Beiträge und ausdrucksstarke Szenen aus dem Theaterprojekt „Why should I care about your history?“, welches mit israelischen Jugendlichen erarbeitet wurde. Unter der Leitung von Hédi Bouden organisierten SchülerInnen des Helmut-Schmidt-Gymnasiums diese Veranstaltung und führten durch den Abend.

Herr Bistritzky betonte die Wichtigkeit einer Gedenkkultur. Es sei notwendig, gemeinsam über die Vergangenheit zu sprechen und Verantwortung für die Welt zu tragen, um Diskriminierung jeglicher Art zu thematisieren und nach Lösungswegen zu suchen. Das Thema des Holocausts sei aus zwei Gründen nach wie vor aktuell: Zum einen gebe es noch Überlebende, die bis zum heutigen Tag gegen die schmerzhaften Erinnerungen zu kämpfen haben. Zum anderen müsse man es kollektiv erinnern, damit folgende Generationen daraus lernen.

Auch für den Vertreter der Grünen ist eine Gedenkkultur wichtig. Sie dürfe allerdings nicht zu einem leeren Ritual werden, welches nebenbei erledigt wird. Vielmehr sollte das Gedenken in Form eines Volkstrauertags gestaltet werden, an dem über das Thema diskutiert wird, um Fragen von Diskriminierung und Rassismus aktiv ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken.

Herr Jakobi unterstrich ebenfalls die Bedeutung des Erinnerns. Nicht mehr über die Vergangenheit zu reden, sei ein großer Fehler. Die Vergangenheit sei ein Teil unserer Geschichte und dadurch stets mit dem Heute verbunden und allgegenwärtig. Es sei unsere Aufgabe, aus der Geschichte zu lernen, um unsere Zukunft besser, friedlicher, interkulturell und interreligiös zu gestalten.

Auf die Frage, wie nun die Gedenkkultur in muslimischen Kreisen wahrgenommen werde, antwortete Herr Jakobi, dass der Fachrat Islamische Studien im Rahmen seiner Arbeit diese vor allem jungen MuslimInnen durch Exkursionen zu Gedenkstätten und mittels anschließender gemeinsamer Reflexionen vermittle. Auf diese Weise könnten sie entsprechend sensibilisiert werden. Sie seien diejenigen, die die Zukunft gestalten. Hierfür sei Bewusstsein für die Geschichte dieses Landes unabdingbar. Besonders wichtig seien solche Exkursionen und Erfahrungen außerdem für Neuankömmlinge, für die eine derartige Kultur vielleicht zunächst fremd erscheine.

Wir Menschen, so Herr Jakobi, seien angewiesen auf Erinnerung. Er erklärt, einer der arabischen Bezeichnungen für Mensch laute „insān“. Die Wortwurzel „nasia“ bedeute „vergessen“. Es liege in der Natur des Menschen, zu vergessen – auch als Schutzmechanismus, um weiterleben zu können. Aus diesem Grund müsse der Mensch erinnert werden, etwa in Form solcher Veranstaltungen.

Herr Jakobi führte weiter aus, dass es auch um die Gründe von Diskriminierung und Rassismus gehen müsse, denn diese seien sehr aktuell in Deutschland. Es sei wichtig, jede Art der Diskriminierung in gleicher Weise wahrzunehmen und zu bekämpfen. Leider werde antimuslimischer Rassismus beispielsweise anders bewertet als Antisemitismus.

Rassismus bekämpfen, das bedeute, mit Dialog, Austausch und lauter Stimme diesem Phänomen entschieden entgegenzuwirken und Widerstand zu leisten. Dies beginnt laut Herrn Jakobi bereits in der Familie, dann in den Institutionen, wie Schulen, Unis oder in Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Es beginne bei den jungen, dynamischen Menschen. Förderprogramme gegen Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus könnten diesen Jugendlichen helfen. Die Politik habe die Aufgabe, diese Formate zu entwickeln und zu verbreiten. Des Weiteren, so Herr Jakobi, helfen persönliche Begegnungen, um Barrieren zu brechen. Durch Kunst und Kultur können Brücken gebaut werden.

Flyer_#WasGehtMichDasAn

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Antisemitismuskampagne “Why should I care about your history?”
https://www.why-should-i-care.com
https://www.instagram.com/wshic/