Interreligiöser Diskurs in der Bergedorfer Moschee
Der Fachrat Islamische Studien e.V. (FIS) ist ein Zusammenschluss muslimischer AkademikerInnen aus den Disziplinen der islamischen Theologie, der Erziehungs-, Religions- und Islamwissenschaft. Seit 2014 engagieren wir uns öffentlich als unabhängiger Verein in Hamburg und darüber hinaus in Angelegenheiten der islamischen Lehre.
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Interreligiöser Diskurs in der Bergedorfer Moschee

Ein Erfahrungsbericht von Rabia Örmengül, Schülerin:

Der Bergedorfer für Völkerverständigung e.V. lud in Kooperation mit der Akademie der Weltreligionen und der Kocatepe Camii zu einem interreligiösen Diskurs in die Bergedorfer Moschee ein. Inhaltlich ging es an diesem ersten Themenabend um den sunnitischen Islam.

Die Veranstaltung war in zwei Teile gegliedert. Herr Abu Ahmed Jakobi machte den Anfang und gab eine kurze Einführung in die islamische Geistesgeschichte. Zu Beginn führte er aus, dass es im Laufe der islamischen Tradition eine Art „säkulares“ System gegeben habe. Dies sei so zu verstehen, dass die Bereiche der Religion und der Politik weitestgehend voneinander geschieden waren. Beide Bereiche hatten ihre jeweiligen Autoritäten. Ähnliches gelte auch für die schiitische Welt. Aus diesem Grund, so Herr Jakobi, habe die Idee eines islamischen Staates keine Verankerung in der Tradition.

Herr Jakobi sprach in der Folge auch über das Verhältnis zwischen schiitischem und sunnitischem Islam. Ein wesentlicher Meinungsunterschied bestehe in der Frage nach der rechtmäßigen Nachfolge in der Leitung der frühen Gemeinde nach dem Tod des Propheten ﷺ. Während die Schiiten Ali, den Schwiegersohn und Vetter des Propheten, als Nachfolger und damit als ersten Imam sahen, entschied sich der andere Teil der Gemeinde (die später als Sunniten bezeichnet werden) für den engen Vertrauten des Propheten – Abu Bakr. Er wurde zum ersten Kalifen gewählt.

Zum Schluss seines Inputs gab Herr Jakobi noch eine Zusammenfassung der drei Ebenen im Islam. Auf all diesen habe es in der islamischen Tradition Meinungsunterschiede, verschiedene Ansichten und Denkschulen gegeben.

Die erste Ebene sei die der Glaubenspraxis. Hiermit sei die Entstehung der unterschiedlichen Rechtsschulen verbunden. Die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang lautet: ,,Wie können wir die praktischen Gebote konkret ausführen?“.

Auf der zweiten Ebene seien die theologischen Schulen entstanden, denn es geht hierbei um die Glaubensprinzipien. Die theologischen Schulen stritten sich über Fragen, wie ,,Wer ist Gott?“, „Was sind seine Attribute?“ oder „Wie kann Gott gerecht barmherzig zugleich sein?“.

Auf der dritten Ebene hätten sich die zahlreichen mystischen Orden entwickelt. Auf dieser Ebene gehe es um die Erziehung des Selbst und Gotteserfahrung. Mystische Orden seien Schüler-Lehrer-Beziehungen, in denen die Lehrer Menschen, die den spirituellen Pfad gehen wollen, durch teils harte Übungen zu ihrer Weiterentwicklung und Entfaltung bringen.

Der zweite Teil der Veranstaltung fand oben im Gebetsraum statt. Frau Safiye Kilic, Vorstandsmitglied der Gemeinde, führte durch die Moschee und informierte die Teilnehmenden über die Gemeinde und das Gebäude.

Am Ende gab es noch einen schönen Abschluss, bei dem Herr Jakobi den Lichtvers rezitierte und wir so auseinandergingen. Es war ein gelungener erster Themenabend, an dem die Teilnehmenden in angenehmer Atmosphäre interessiert zuhörten und sich mit ihren Fragen aktiv beteiligten, sodass ein guter Austausch stattfand.

Außerdem erschien ein Beitrag von Peter Helling und Daniel Kaiser für das NDR 90,3 Kulturjournal Spezial: